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BSI-Standard 200-4: Business Continuity Management mit Grundschutz++ verbinden

Der BSI-Standard 200-4 (BSI 200-4) „Business Continuity Management“ in Version 1.0 vom Mai 2023 beschreibt, wie eine Institution ein Managementsystem für die Fortführung ihres Geschäftsbetriebs in Notfällen und Krisen aufbaut; er hat das Notfallmanagement nach BSI-Standard 100-4 abgelöst. BSI-Standard 300-1 „Methodik Grundschutz++“ löst 200-4 nicht ab, und der Anwenderkatalog Grundschutz++ verweist in der Praktik NOT mehrfach auf ihn. Diese Seite zeigt, was ein BCMS nach 200-4 und ein ISMS nach Grundschutz++ gemeinsam nutzen können, was im Anforderungspaket auch mit BCMS bestehen bleibt, und gibt einen Lesepfad durch den Standard für Grundschutz-Anwender.

Geöffneter dunkelblauer Notfallkoffer mit Messingecken auf einer Holzbank im Eingangsbereich, darin Taschenlampe, Batterieradio, Seil, Wolldecke und versiegelte Umschläge, daneben ein Mantel an der Wand

Was 200-4 ist und wo er steht

200-4 ist laut Änderungshistorie eine Neukonzeption auf Basis von 100-4, angepasst an ISO 22301:2019. Neu gegenüber 100-4 sind unter anderem das Stufenmodell, der Begriff Business Continuity Management (BCM) statt Notfallmanagement, die Prozessschritte Voranalyse, heute BIA-Vorfilter, und Soll-Ist-Vergleich, die Berücksichtigung der Schnittstellen zu Informationssicherheit, IT-Service-Continuity-Management und Krisenmanagement sowie eine ausführlichere Beschreibung der Bewältigungsorganisation. Die Version 1.0 vom Mai 2023 passte die Definition der Wiederanlaufzeit an, führte die BAO-Reaktionszeit ein und benannte die Voranalyse in BIA-Vorfilter um.

Ein BCMS lässt sich in drei Stufen aufbauen: Reaktiv-BCMS, Aufbau-BCMS und Standard-BCMS (Kap. 2.6). Das Reaktiv-BCMS soll eine Institution schnell in die Lage versetzen, auf Notfälle zu reagieren, und ist nach einem Zyklus weiterzuentwickeln; das Aufbau-BCMS sichert zunächst einen eingeschränkten Umfang an Geschäftsprozessen ab; das Standard-BCMS betrachtet alle Geschäftsprozesse im Geltungsbereich. Die Stufe Standard-BCMS ist nach Kap. 1.3 konform zu ISO 22301:2019, ein vollständig eingeführtes und betriebenes Standard-BCMS erreicht die Reife für eine Zertifizierung nach ISO 22301. Zum Standard selbst schreibt das BSI auf seiner Webseite: „Derzeit ist noch keine Zertifizierung zu dem Standard geplant.“ (abgerufen am 01.11.2026). Erfahrenen Anwendenden bietet das BSI einen Anforderungskatalog mit den MUSS- und SOLLTE-Anforderungen des Standard-BCMS und einer Zuordnung zu ISO 22301:2019.

Für die Verbindung mit Grundschutz ist ein Satz aus Kap. 1.3 wichtig: „Ein ISMS wird explizit für diesen BSI-Standard nicht vorausgesetzt.“ 200-4 setzt die Reihe 200-1 bis 200-3 fort und weist an vielen Stellen in eigenen Kästen auf Synergiepotenzial mit dem ISMS hin. Die Beispiele dort beziehen sich auf ein ISMS nach BSI-Standard 200-2 oder ISO 27001. Für Grundschutz++ gibt es solche Hinweise im Standard noch nicht; die Übertragung auf 300-1 in den Tabellen unten ist unsere Einordnung.

Verhältnis zu BSI-Standard 300-1 und zum Anwenderkatalog

300-1 erwähnt ein BCMS an einer Stelle: Bei der Identifizierung der Geschäftsprozesse kann nach Kap. 2.5 auf Prozesslandkarten und bestehende Managementsysteme wie ein BCMS zurückgegriffen werden. Einen Satz, der 200-4 ersetzt oder für Grundschutz++ außer Kraft setzt, enthält 300-1 nicht. Der Meilensteinplan des BSI (Stand Oktober 2026) nennt für 2027 und später die Integration anderer Managementsysteme in Grundschutz++; welche und in welcher Form, steht dort nicht.

Der Anwenderkatalog Grundschutz++ (Build vom 29.10.2026) stellt die Verbindung in der Praktik NOT her. NOT.1.1.4 sieht als KANN-Anforderung vor, ein BCMS nach BSI-Standard 200-4 zu verankern; Parameter sind die Stufe (Reaktiv-, Aufbau- oder Standard-BCMS) und der Standard. Die Erläuterung empfiehlt, die Anforderungen der Praktik idealerweise über ein BCMS zu erbringen, mit einem Reaktiv-BCMS als erstem Schritt. Die Erläuterungen zu acht weiteren NOT-Anforderungen verweisen auf einzelne Kapitel von 200-4. Ein BCMS ist damit optional, die Praktik NOT bleibt es nicht: 25 ihrer 37 Anforderungen haben keine Zielobjektkategorie und sind nach 300-1 Kap. 3.4.1 verpflichtend in das Anforderungspaket aufzunehmen.

Im klassischen IT-Grundschutz ist der Baustein DER.4 Notfallmanagement des Kompendiums für den gesamten Informationsverbund einmal anzuwenden. In der Edition 2023 (Stand Februar 2023) verweist er für die Phasen des Notfallmanagements noch auf BSI-Standard 100-4; die Version 1.0 von 200-4 stammt vom Mai 2023. Da 200-4 den Standard 100-4 laut seiner Änderungshistorie ablöst, ist für diese Inhalte heute 200-4 die aktuelle Fassung. Wie das Kompendium bis zum Ende der klassischen Zertifizierbarkeit weiter genutzt wird, beschreibt die Seite IT-Grundschutz-Kompendium.

Was BCMS und ISMS teilen können und was getrennt bleibt

Beide Managementsysteme fragen nach Geschäftsprozessen, Ressourcen, Schäden und Risiken. Sie fragen aber mit unterschiedlichem Ziel. Ein ISMS sichert den Normalbetrieb in allen drei Schutzzielen ab, BC-Maßnahmen begrenzen vor allem das Ausmaß eines eingetretenen Schadensereignisses (200-4 Kap. 2.4.1). 200-4 bringt dazu ein Beispiel: Eine Anwendung mit hoher Verfügbarkeit im ISMS kann im BCM ohne Kontinuitätsanforderung bleiben, wenn der Notbetrieb ohne sie auskommt; bei einer anderen kann die Business-Impact-Analyse die Anforderung verschärfen, weil der Prozess nach wenigen Stunden wieder laufen muss. Die Tabelle ordnet die Berührungspunkte. Die Fundstellen für 200-4 sind die Synergiekästen und der zugehörige Fließtext des Standards, die für Grundschutz++ die Kapitel von 300-1.

ThemaBCM nach 200-4ISMS nach Grundschutz++Gemeinsam nutzbarGetrennt halten
GeltungsbereichOrientierung am ISMS-Geltungsbereich kann sinnvoll sein, muss aber zur Zielsetzung passen (Kap. 3.3)Anwendungsbereich und Informationsverbund (300-1 Kap. 3.1)Abgrenzung und bekannte Ressourcen als AusgangspunktZielsetzung des BCMS, die einen anderen Zuschnitt verlangen kann
GeschäftsprozesseProzesse aus dem ISMS als Grundlage; derselbe Detaillierungsgrad wie im ISMS kann sinnvoll sein (Kap. 7.1.1)Geschäftsprozesse sind zu identifizieren und zu dokumentieren, ein BCMS darf herangezogen werden (Kap. 2.5)eine gemeinsame Prozessliste, in beide RichtungenEinstufung als zeitkritisch: Im Fokus des BCM stehen die zeitkritischen Geschäftsprozesse (Kap. 2.1), die erst die BIA ermittelt
InteressengruppenÜbernahme der Interessengruppenanalyse prüfen (Kap. 4.2)Analyse der interessierten Parteien (Kap. 2.4)Liste der Parteien und ihrer AnforderungenErwartungen, die nur die Kontinuität betreffen
SchadenskategorienSchadensszenarien und -kategorien aus der Schutzbedarfsfeststellung als Grundlage (Kap. 7.1.2)zwei Kategorien normal und hoch je Geschäftsprozess (Kap. 2.6)Beschreibung der Schadensszenarienzeitliche Staffelung und Untragbarkeitsniveau der BIA; zwei Kategorien reichen dafür nicht
BewertungBIA betrachtet Ressourcen für den Notbetrieb, die Schutzbedarfsfeststellung für den Normalbetrieb; eine gemeinsame Erhebung ist nicht in allen Fällen vorteilhaft (Kap. 7.1.5)Schutzbedarfsfeststellung je Geschäftsprozess (Kap. 2.6)gemeinsame Termine und Hilfsmittel, wenn dieselben Kategorien geltenErgebnisse: Verfügbarkeit im Normalbetrieb und Kontinuität im Notbetrieb sind verschiedene Werte
RessourcenBezeichnungen aus der Strukturanalyse übernehmen; deren Gruppenbildung passt voraussichtlich nicht zu den BCM-Ressourcenclustern (Kap. 7.1.3)Assets und Abhängigkeiten (Kap. 3.2)Asset- und Ressourcenbezeichnungen, Zuständige (Kap. 8.1)Cluster und Gruppen
Risikokeine eigene Methode; Fokus auf Risiken für die Verfügbarkeit zeitkritischer Ressourcen (Kap. 9.1, 9.3); gleiche Kategorien wie im ISMS sehr sinnvoll (Kap. 9.5)Verfahren frei, Mindestkriterien aus Anhang 3 verbindlich (Kap. 2.11)Methode, Skalen, Risikokategorien, ein integrierter Risikobehandlungsplan (Kap. 2.4.1)Gefährdungsauswahl: Vertraulichkeit und Integrität bleiben Aufgabe des ISMS
RollenPersonalunion von ISB und BC-Beauftragten möglich, wenn keine konfliktträchtigen Themen bestehen und die Ressourcen reichen; von einer Personalunion mit dem IT-Service-Continuity-Management rät der Standard ab (Kap. 3.5)Rollen und Zuständigkeiten (Kap. 2.8)Abstimmung und VertretungProzessverantwortung je Managementsystem
Notbetrieb und SchutzzieleSchnittstellen zwischen BCMS und ISMS früh festlegen, weil im Notbetrieb Schutzziele konkurrieren können (Kap. 4.2.3)alternative Sicherheitsmechanismen für Notfälle (NOT.3.6)gemeinsame Regel für Ausnahmen im Notbetriebdie Entscheidung im Ereignis liegt bei der BAO
Übungen und BerichteJahresübungsplanung mit anderen Übungen abstimmen (Kap. 13.3); gemeinsame Berichterstattung hat Vorteile (Kap. 2.4.1)Leistungsbewertung und Managementbewertung (Kap. 5)ein Übungskalender, ein Bericht an die Leitung mit zwei TeilenZiele und Kennzahlen je Managementsystem

Spalte „BCM nach 200-4“: Synergiekästen und Fließtext in BSI-Standard 200-4, Version 1.0; die Synergiekästen beziehen sich auf ein ISMS nach 200-2 oder ISO 27001. Spalte „ISMS nach Grundschutz++“: BSI-Standard 300-1, Version 1.0. Die Spalten „Gemeinsam nutzbar“ und „Getrennt halten“ sind eigene Einordnung.

Zwei überlappende Kreise, links BCMS nach BSI-Standard 200-4 mit Business-Impact-Analyse, Notbetrieb, Geschäftsfortführungsplänen und Wiederanlaufzeiten, rechts ISMS nach Grundschutz++ mit Schutzbedarf normal und hoch, Anforderungspaket, Risikobetrachtung für alle drei Schutzziele. In der Schnittmenge: Geschäftsprozessliste, Geltungsbereich, Ressourcenbezeichnungen, Risikomethode und Skalen, Übungskalender, Bericht an die Leitung. Darunter ein Band mit den NOT-Anforderungen, die im Anforderungspaket bleiben, und der Anforderung NOT.1.1.4 als optionale Verbindung
Berührungspunkte von BCMS nach BSI-Standard 200-4 und ISMS nach BSI-Standard 300-1, mit der Praktik NOT aus dem Anwenderkatalog Grundschutz++, Build 2026-10-29. Eigene Darstellung, Stand 01.11.2026.

Was im Anforderungspaket auch mit BCMS bestehen bleibt

Ein BCMS nach 200-4 kann viele NOT-Anforderungen mit Inhalt füllen. Die Erläuterung zu NOT.2.1 sagt sinngemäß, dass bei einem BCMS nach 200-4, gleich in welcher Stufe, die Anforderungen an die Besondere Aufbauorganisation in der Regel erfüllt sind. Der Status bleibt trotzdem je Anforderung zu prüfen und zu belegen: Nach 300-1 Kap. 4.1.1 muss für jede Anforderung der aktuelle Umsetzungsstatus vollständig überprüft werden. Die Tabelle zeigt, wohin die Erläuterungen im Katalog verweisen und was dann im ISMS bleibt.

Anforderung (Modalverb)Verweis der Erläuterung auf 200-4Was ein BCMS dazu liefertWas im ISMS bleibt
NOT.1.1.4 BCMS (KANN)Kap. 2.6 Stufenmodelldas Managementsystem selbst, in der gewählten Stufedie Entscheidung, ob und in welcher Stufe, und ihr Status im Paket
NOT.2.1 BAO (SOLLTE)Kap. 5 Aufbau und Befähigung der BAOStab, Kernteam, Bewältigungsteams, GeschäftsordnungNachweis des Status; Schnittstelle zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen
NOT.2.1.1 Rollen (SOLLTE)Kap. 5.1Besetzung der BAONachweis der Zuweisung
NOT.2.1.2 Alarmierung (SOLLTE)Kap. 5.2Detektion, Meldung, Einstufung, AlarmierungAnbindung der Meldewege für Sicherheitsereignisse
NOT.2.1.3 Stabsraum (KANN)Kap. 5.6.3Festlegung und Ausstattung des StabsraumsSchutz des Stabsraums, auch eines virtuellen
NOT.2.1.4 Stabsübung (KANN)Kap. 13.6Übungsplanung, Durchführung, AuswertungSzenarien mit Bezug zur Informationssicherheit, etwa Schadsoftware
NOT.3.1 Wiederanlaufplan (SOLLTE)Kap. 12 Wiederanlauf- und Wiederherstellungsplanungkritische Ressourcen und Wiederanlaufzeiten aus der BIA, Rahmen aus den BC-Strategienohne BCMS: zeitkritische IT-Ressourcen aus der Schutzbedarfsfeststellung, Wiederanlaufzeit nur grob geschätzt
NOT.3.2 Geschäftsfortführungsplan (KANN)Kap. 11 GeschäftsfortführungsplanungNotbetrieb je zeitkritischem Geschäftsprozesslaut Erläuterung im ISMS nur optional
NOT.3.4 Funktionstest (KANN)Kap. 13.9 Funktionstest und 13.5 PlanbesprechungTests der Pläne und NotbetriebsressourcenPrüfung, ob Sicherheitsvorkehrungen im Notbetrieb greifen
NOT.1.1 bis NOT.1.1.3 und NOT.1.2 (MUSS)keinerLeitlinie und Verfahren des BCMSVerfahren zur Vorsorge für Notfälle der Informationssicherheit, Dokumentation, Zuweisung, Bekanntgabe, Überprüfung
NOT.3.5, NOT.3.6 (SOLLTE)keinerAusweichkommunikation als BC-LösungAusweich-Telekommunikation und alternative Sicherheitsmechanismen im Notfall
NOT.3.3 (SOLLTE), NOT.4 Datensicherung (20 Anforderungen)keinerAnforderungen an Wiederanlaufzeit und zulässigen DatenverlustSensibilisierung der Nutzenden für das Vorgehen im Notfall; Konzept, Aufbewahrung, Verschlüsselung, Offline-Kopie und Tests der Datensicherung

Spalte „Verweis“: Erläuterungen im Anwenderkatalog Grundschutz++, Build 2026-10-29. Die Spalten „Was ein BCMS dazu liefert“ und „Was im ISMS bleibt“ sind eigene Einordnung.

Was ein ISMS nach Grundschutz++ nicht übernimmt

Umgekehrt ersetzt das Anforderungspaket kein BCMS. Eine Business-Impact-Analyse mit maximal tolerierbarer Ausfallzeit, geforderter Wiederanlaufzeit, maximal zulässigem Datenverlust und Notbetriebsniveau (200-4 Kap. 7) verlangt der Anwenderkatalog nicht; der Geschäftsfortführungsplan ist dort eine KANN-Anforderung. Die zwei Schutzbedarfskategorien normal und hoch sagen nicht, wie lange ein Prozess ausfallen darf. Und die Risikobetrachtung des ISMS lässt sich nicht an die BCM-Risikoanalyse abgeben: Diese betrachtet nach 200-4 Kap. 9.1 in der Regel die Risiken für die Verfügbarkeit, während 300-1 Kap. 2.11 eine explizite Risikobetrachtung schon dann verlangt, wenn ein Geschäftsprozess in mindestens einem Schutzziel hohen Schutzbedarf hat, auch in Vertraulichkeit oder Integrität.

Wie weit eine Institution ein BCMS braucht, ergibt sich aus ihren Geschäftsprozessen und aus Vorgaben, die für sie gelten. Wir ordnen die Vorgaben ein, die Sie nennen oder die in Ihren Unterlagen stehen; ob sie rechtlich gelten, prüft Ihre Rechtsabteilung. 200-4 empfiehlt für den Einstieg bei gesetzlichen oder regulatorischen Anforderungen eher das Aufbau- oder Standard-BCMS als das Reaktiv-BCMS (Kap. 2.6.1). Wie sich Lücken an einem konkreten Ausfall zeigen, spielt die Seite Gebäude und Notfallvorsorge an einem Standortausfall durch.

Lesepfad durch 200-4 für Grundschutz-Anwender

200-4 ist umfangreich und nach dem BCM-Prozess gegliedert. Hinter jeder Kapitelüberschrift ab Kapitel 3 steht, für welche Stufe das Kapitel gilt: R für Reaktiv-BCMS, A für Aufbau-BCMS, S für Standard-BCMS, AS für Aufbau- und Standard-BCMS gemeinsam (Kap. 1.3). Wer zunächst nur ein Reaktiv-BCMS umsetzen will, liest nur die Kapitel mit R. Die folgende Reihenfolge ist auf Leserinnen und Leser zugeschnitten, die ein ISMS nach Grundschutz++ betreiben oder aufbauen.

  1. Begriffe und Stufen zuerst: Kap. 2.1 (Störung, Notfall, Krise; zeitkritische Geschäftsprozesse; BAO), 2.3 (zeitlicher Ablauf der Bewältigung) und 2.6 (Stufenmodell). Diese drei Kapitel empfiehlt der Standard selbst allen mit Vorerfahrung im BCM als Mindestlektüre.
  2. Schnittstelle zum ISMS: Kap. 2.4.1, mit den Unterschieden zwischen Verfügbarkeit im Normalbetrieb und Kontinuität im Notbetrieb. Danach Kap. 2.4.2 zum IT-Service-Continuity-Management, falls der IT-Betrieb eigene Notfallpläne führt.
  3. Für die Leitung: Kap. 3, die Initiierung durch die Institutionsleitung mit Zielen, Geltungsbereich, Stufenwahl und Benennung der BC-Beauftragten.
  4. Neben NOT.2.1 legen: Kap. 5 zur BAO, insbesondere 5.1, 5.2 und 5.6.
  5. Neben die Schutzbedarfsfeststellung legen: Kap. 6 (BIA-Vorfilter, für Reaktiv- und Aufbau-BCMS) und Kap. 7 (Business-Impact-Analyse). Hier entscheidet sich, welche Daten Sie gemeinsam erheben.
  6. Neben Anhang 3 von 300-1 legen: Kap. 9 (BCM-Risikoanalyse, für Aufbau- und Standard-BCMS). Prüfen Sie, ob Ihr Risikoverfahren beide Zwecke abdeckt.
  7. Für NOT.3.1 und NOT.3.2: Kap. 12 (Wiederanlaufplanung, AS) und Kap. 11 (Geschäftsfortführungsplanung).
  8. Für NOT.2.1.4 und NOT.3.4: Kap. 13 zum Üben und Testen, mit Planbesprechung, Stabsübung, Alarmierungsübung und Funktionstest.
  9. Zum Abgleich am Ende: den Anforderungskatalog zum Standard, der die MUSS- und SOLLTE-Anforderungen des Standard-BCMS kompakt zusammenfasst, und für den Betrieb Kap. 14 und 15.

Weiterlesen: Schutzbedarf je Geschäftsprozess auf der Seite Schutzbedarfsfeststellung, Risikoverfahren prüfen auf der Seite Risikomethode prüfen, das klassische Risikoverfahren auf der Seite BSI-Standard 200-3, der Standortausfall als Szenario auf der Seite Gebäude und Notfallvorsorge, die Methodik insgesamt auf der Seite BSI-Standard 300-1, der Baustein DER.4 im Kontext auf der Seite IT-Grundschutz-Kompendium.

Vorhandene BCM-Unterlagen in Grundschutz++ einordnen

Wer bereits ein Notfallhandbuch, eine BAO oder ein BCMS nach 100-4 oder 200-4 hat, muss für Grundschutz++ nicht neu anfangen. Die Unterlagen sind Nachweise für den Status der NOT-Anforderungen, soweit sie aktuell sind und die Anforderung abdecken. Im Paket Readiness und Migrationskonzept prüft Blackfort Technology, welche Anforderungen der Praktik NOT vorhandene Unterlagen schon belegen und wo Lücken bleiben.

Rechtehinweis: Zitate und Angaben aus BSI-Standard 200-4 © Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik 2023, Quelle: BSI-Standard 200-4; das Zitat zur Zertifizierung stammt von dieser Webseite. Angaben aus BSI-Standard 300-1 und dem Meilensteinplan © Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik 2026, Quelle: BSI, Grundschutz++. Angaben aus dem IT-Grundschutz-Kompendium, Edition 2023 © 2023 Reguvis Fachmedien GmbH, © 2023 Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Bonn (so im Impressum der Ausgabe), Quelle: IT-Grundschutz-Kompendium. Sie stehen nicht unter CC BY-SA 4.0; der Lizenzhinweis am Seitenende gilt für die Auszüge aus den Katalogdaten.

Häufige Fragen

Was ist der BSI-Standard 200-4?
BSI-Standard 200-4 „Business Continuity Management“, Version 1.0 vom Mai 2023, beschreibt den Aufbau und Betrieb eines BCMS in drei Stufen: Reaktiv-, Aufbau- und Standard-BCMS. Er hat BSI-Standard 100-4 „Notfallmanagement“ abgelöst. Die Stufe Standard-BCMS ist konform zu ISO 22301:2019.
Ist BSI 200-4 durch Grundschutz++ abgelöst?
Nein. BSI-Standard 300-1 löst 200-4 nicht ab. Der Anwenderkatalog Grundschutz++ nennt ein BCMS nach 200-4 in NOT.1.1.4 als KANN-Anforderung und verweist in mehreren Erläuterungen der Praktik NOT auf Kapitel von 200-4.
Brauche ich für 200-4 ein ISMS?
Nein. 200-4 Kap. 1.3: „Ein ISMS wird explizit für diesen BSI-Standard nicht vorausgesetzt.“ Ein ISMS kann Aufbau und Betrieb eines BCMS unterstützen, etwa über gemeinsame Geschäftsprozesslisten und Risikoskalen.
Kann man sich nach BSI-Standard 200-4 zertifizieren lassen?
Das BSI schreibt auf der Seite zum Standard: „Derzeit ist noch keine Zertifizierung zu dem Standard geplant.“ (abgerufen am 01.11.2026). Ein vollständig eingeführtes Standard-BCMS erreicht nach 200-4 Kap. 1.3 die Reife für eine Zertifizierung nach ISO 22301.
Was ist der Unterschied zwischen BSI 100-4 und 200-4?
200-4 ist eine Neukonzeption auf Basis von 100-4, angepasst an ISO 22301:2019. Er führt unter anderem das Stufenmodell, den Begriff Business Continuity Management statt Notfallmanagement, die Voranalyse (heute BIA-Vorfilter) und den Soll-Ist-Vergleich ein, berücksichtigt die Schnittstellen zu Informationssicherheit, IT-Service-Continuity-Management und Krisenmanagement und beschreibt die Bewältigungsorganisation ausführlicher.

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Quellen

Zitate aus BSI-Standards und BSI-Webseiten sind © Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und wortgetreu, in Anführungszeichen und mit Quellennachweis wiedergegeben. Unabhängiges Angebot, kein Angebot des BSI.

Stand
01.11.2026
Fachlich geprüft am
01.11.2026
Katalogstand
Grundschutz++ Anwenderkatalog, Build 2026-10-29 (Commit c3f37859 vom 30.10.2026)

Lizenzhinweis

Diese Seite enthält Auszüge aus Katalogdaten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Die Auszüge stehen unter derselben Lizenz. Die Lizenz gilt nur für diese Katalogauszüge; Zitate aus BSI-Standards sind © BSI und als Zitat mit Quellennachweis wiedergegeben.

  • Kennungen, Titel, Modalverben, Zielobjektkategorien und Parameter sowie wörtliche oder gekürzte Anforderungstexte von NOT.1.1, NOT.1.1.4, NOT.1.2, NOT.2.1, NOT.2.1.1 bis NOT.2.1.4, NOT.3.1 bis NOT.3.6; Zählung der Anforderungen der Praktik NOT und der Gruppe NOT.4; sinngemäß zusammengefasste Erläuterungen zu NOT.1.1.4, NOT.2.1, NOT.3.1, NOT.3.2 und NOT.3.4 einschließlich der darin genannten Kapitelverweise auf BSI-Standard 200-4: BSI Stand-der-Technik-Bibliothek, Anwenderkatalog Grundschutz++ (Build 2026-10-29, Commit c3f37859 vom 30.10.2026), Praktik NOT, abgerufen am 01.11.2026. Von Blackfort Technology gekürzt oder bearbeitet.

Diese Inhalte dienen der allgemeinen technischen und organisatorischen Information zu IT-Grundschutz und Grundschutz++ und stellen keine Rechtsberatung dar (keine Rechtsdienstleistung i. S. d. RDG). Sie ersetzen weder die Prüfung durch eine Auditorin oder einen Auditor noch eine Entscheidung der Zertifizierungsstelle.