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Grundschutz++ Beispiel, Teil 2: Anforderungsanalyse für das Bürgerportal

Teil 2 dieses Grundschutz++ Beispiels zeigt die Anforderungsanalyse beim fiktiven IT-Zweckverband Musterregion: Er grenzt den Informationsverbund für den Prozess GP-A ab, erfasst 24 Assets mit ihren Abhängigkeiten und ordnet sie den Zielobjektkategorien zu. Aus dem Anwenderkatalog, Build vom 29.10.2026, ergibt sich ein Anforderungspaket mit 928 Anforderungen, ergänzt um zwei eigene. Die Seite rechnet das Paket nach, begründet die zehn leeren Kategorien und hält fest, wo die Akte eine strittige Entscheidung enthält.

Gewölbekeller aus rotem Backstein im selben Gebäude, eine Reihe geschlossener schwarzer Serverschränke auf einem Podest, darüber eine Kabeltrasse, warmes Licht von Wandleuchten

Hinweis und Rückblende auf Teil 1

Fiktiver Fall. Institution, Systeme, Zahlen zu Assets und alle Entscheidungen sind erfunden. Die Fallakte ist nicht vom BSI geprüft, nicht zertifiziert und nicht auf reale Kommunen oder Dienstleister übertragbar. Echt sind nur die Kennungen und Texte der Anforderungen und die daraus gezählten Mengen aus dem Anwenderkatalog Grundschutz++, Build 2026-10-29; Methodik nach BSI-Standard 300-1, Version 1.0.

Was bisher geschah (Teil 1): Der IT-Zweckverband Musterregion (IZM) betreibt für zwölf Kommunen ein Bürgerportal. Die Geschäftsleitung hat den Geschäftsbereich Portaldienste als Anwendungsbereich festgelegt (EV-01). Der Prozess GP-A „Online-Anträge entgegennehmen und übergeben“ hat hohen Schutzbedarf bei Vertraulichkeit und Integrität, die Verfügbarkeit ist mit Vorbehalt normal (OF-01). GP-A wird im ersten Zyklus bearbeitet (EV-03). Offen sind unter anderem die ISB-Stelle (EV-04) und zwei fehlende Leistungsvereinbarungen (L-01).

Informationsverbund IV-PORTAL und seine Schnittstellen

Der IZM hat innerhalb des Anwendungsbereichs einen Informationsverbund gebildet, IV-PORTAL. Er umfasst die Portalplattform, die Teams, die sie betreiben und pflegen, den Serverraum RZ-1 und das Technikgebäude. Im ersten Zyklus enthält er die Assets, die GP-A braucht. Das deckt sich mit der Erläuterung zur Katalog-Anforderung STM.2.1.2: Im ersten Durchgang genügt es, die Assets des wichtigsten Geschäftsprozesses zu erfassen; weitere Prozesse kommen in späteren Zyklen dazu.

Kapitel 3.1 verlangt, die Schnittstellen zu externen Prozessen, Systemen und anderen Verbünden organisatorisch, technisch und infrastrukturell zu dokumentieren; im Katalog steht dafür STM.1.2. Die Tabelle zeigt die sechs Schnittstellen der Akte. Die allgemeine Abgrenzung erklärt die Seite Informationsverbund abgrenzen.

Schnittstelleorganisatorischtechnischinfrastrukturell
S-01 Einwohnerinnen und EinwohnerNutzungsbedingungen und Datenschutzhinweise des PortalsHTTPS über die Internetanbindung AS-11Endgeräte der Antragstellenden außerhalb des Verbunds
S-02 Fachverfahren der Kommunen K01 bis K12Leistungsvereinbarungen CP-01, Ansprechpersonen je KommuneÜbergabedienst AS-03 über das kommunale Verbindungsnetz AS-12Rechenzentren der Kommunen, außerhalb
S-03 externer Anmeldedienst für NutzerkontenNutzungsregeln des Betreibers, kein eigener Vertrag des IZMWeiterleitung und Rückgabe einer Anmeldebestätigung an AS-01beim Betreiber
S-04 Fernwartung des PortalherstellersWartungsvertrag CP-03 (Asset AS-23)VPN-Zugang auf Freigabe durch den IT-BetriebArbeitsplätze des Herstellers, außerhalb
S-05 Zahlungsdienstleistergehört zu GP-B, im zweiten ZyklusZahlungsschnittstelle des Portalsbeim Dienstleister
S-06 Verwaltungs-IT des IZMeigener Verantwortungsbereich, außerhalb des AnwendungsbereichsMail-Relay für den Benachrichtigungsversand AS-15, Übergabe von ProtokolldatenVerwaltungsgebäude

Offene Frage OF-03: Der Anmeldedienst S-03 wird genutzt, aber nicht beschafft; es gibt keinen Vertrag des IZM mit dem Betreiber. Der IZM hat ihn deshalb als externe Schnittstelle geführt und nicht als Asset der Kategorie Dienstleistungen. Ob das bei einem Audit standhält, ist offen. Die Anforderungen an die Gegenseite der Anmeldung hat der IZM damit nicht im Paket, nur die an seine eigene Anbindung.

Asset-Liste mit Zielobjektkategorien

Die 24 Assets stammen aus der CMDB des IT-Betriebs, aus dem Vertragsverzeichnis und aus Gesprächen mit dem Portalbetrieb. Personen sind als Gruppen erfasst, gleichartige Server als VM-Gruppe; 300-1 erlaubt die Gruppierung, wenn Eigenschaften und Einsatzzweck ähnlich sind (Kap. 3.2). Jedes Asset hat eine verantwortliche Rolle in der Inventarliste, die hier aus Platzgründen fehlt.

Die Spalte „je Asset“ zählt alle Anforderungen, die über die zugeordneten und die vererbten Kategorien auf das Asset fallen. Die Spalte „neu“ zählt, wie viele davon in der Reihenfolge der Tabelle erstmals ins Paket kommen. Gerechnet ist mit dem Build vom 29.10.2026 und derselben Zählweise wie auf der Seite zur Modellierung: Eine Anforderung mit zwei Kategorien zählt für ein Asset, sobald eine davon zugeordnet ist.

KennungAsset (fiktiv)zugeordnetvererbtje Assetneu
AS-01Bürgerportal (beschaffte Software, Antragsoberfläche)Webanwendungen; IT-ProdukteWebserver, Anwendungen; Einkäufe144144
AS-02Formularbaukasten mit SkriptfunktionWebanwendungenWebserver, Anwendungen910
AS-03Übergabedienst an die FachverfahrenAnwendungen-810
AS-04Antragsdaten und NachweisdokumenteDatenInformationen3636
AS-05Portal-DatenbankAnwendungen-810
AS-06VM-Gruppe Portal (Web-, Anwendungs- und Datenbankserver)HostsystemeIT-Systeme10299
AS-07VirtualisierungsclusterVirtualisierungslösungen; HostsystemeAnwendungen; IT-Systeme1844
AS-08Reverse Proxy mit WebfilterWebserverAnwendungen870
AS-09Firewall-ClusterHostsystemeIT-Systeme1020
AS-10Portal-NetzsegmentInterne NetzsegmenteNetze3737
AS-11Internetanbindung (zwei Provider)Externe NetzanschlüsseNetze5015
AS-12Anbindung an das kommunale VerbindungsnetzExterne NetzanschlüsseNetze500
AS-13Verzeichnisdienst für die AdministrationVerzeichnisdiensteAnwendungen843
AS-14DNS-Server der Portal-DomainDNS-ServerAnwendungen865
AS-15Benachrichtigungsversand an AntragstellendeE-MailInterpersonelle Kommunikation, Anwendungen10524
AS-16Datensicherung (Software und Sicherungsspeicher)Anwendungen; HostsystemeIT-Systeme1800
AS-17Serverraum RZ-1ServerräumeRäume für technische Infrastruktur, Räume, Standorte7272
AS-18TechnikgebäudeGebäudeStandorte612
AS-19Administrierende Portalbetrieb (Gruppe, 6 Personen)AdministrierendeMitarbeitende, Nutzende10182
AS-20Formularredaktionen der Kommunen (Gruppe, 24 Personen, extern)Nutzende-810
AS-21Servicedesk (Gruppe)MitarbeitendeNutzende920
AS-22GeschäftsleitungInstitutionsleitungFührungskräfte, Mitarbeitende, Nutzende953
AS-23Wartungsvertrag Portalhersteller mit FernzugangDienstleistungenEinkäufe7031
AS-24Admin-NotebooksMobile EndgeräteIT-Systeme1087

Summe der Zuordnungen: 2.180. Nach der Konsolidierung, die Kapitel 3.4 verlangt (im Katalog STM.2.1.4.2), bleiben 564 verschiedene Anforderungen mit Zielobjektkategorie. Die Formularredaktionen AS-20 sind extern; Anhang 1 zählt zu den Nutzenden alle Personen, die regelmäßig Assets des Verbunds nutzen können, ob intern oder extern. Ein Vorschlag aus dem Portalbetrieb, die Redaktionen wegzulassen, weil sie keine Beschäftigten des IZM sind, wurde deshalb verworfen.

Dass AS-02 und AS-03 nichts Neues bringen, folgt aus der Vererbung: Die Kategorie Anwendungen hat das Bürgerportal AS-01 schon ins Paket gebracht. Für die Statusprüfung in Teil 3 ist die Spalte „je Asset“ trotzdem die wichtigere, denn jede dieser Anforderungen muss an jedem Asset geprüft werden, auf das sie fällt. Wie Zuordnung und Vererbung allgemein funktionieren, erklärt die Seite Modellierung mit Zielobjektkategorien.

Schema des Informationsverbunds IV-PORTAL: in der Mitte die Assets für GP-A in Gruppen Anwendungen, IT-Systeme, Netze, Informationen, Personen, Räume und Gebäude sowie Einkäufe mit ihren Kennungen AS-01 bis AS-24, am Rand die Schnittstellen S-01 bis S-06 zu Einwohnerinnen und Einwohnern, Kommunen, Anmeldedienst, Hersteller, Zahlungsdienstleister (zu GP-B) und Verwaltungs-IT. Unten der Rechenweg 2.180 Zuordnungen, 564 nach Konsolidierung, plus 364 ohne Zielobjektkategorie, ergibt 928, plus 2 eigene Anforderungen, ergibt 930 Einträge im Paket.
Informationsverbund und Anforderungspaket im fiktiven Fall, nach BSI-Standard 300-1 Kap. 3.1 bis 3.4; Zahlen aus dem Anwenderkatalog Build 2026-10-29, eigene Zählung. Eigene Darstellung, Stand 01.11.2026.

Abhängigkeiten entlang der Ressourcenpfade

Weil GP-A hohen Schutzbedarf hat, dokumentiert der IZM die Zugehörigkeit der Assets zum Prozess und ihre Abhängigkeiten (Kap. 3.2). Die Form ist frei; der IZM hat sieben Ressourcenpfade gebildet, weil die Risikobetrachtung nach Kapitel 3.2 entlang des Ressourcenpfads läuft. Zwei Befunde aus dieser Arbeit gehen direkt in Teil 3.

PfadTeilschritt von GP-AAbhängigkeiten
P1Antrag stellenS-01 → AS-11 → AS-08 → AS-01 → AS-06 → AS-07 → AS-17 → AS-18
P2Antrag und Nachweise speichernAS-01 → AS-05 (enthält AS-04) → AS-06 → AS-07 → AS-17
P3Antrag übergebenAS-05 → AS-03 → AS-10 → AS-09 → AS-12 → S-02
P4Antragstellende benachrichtigenAS-01 → AS-15 → S-06
P5Formulare bereitstellenAS-20 → AS-02 → AS-01
P6Plattform administrierenAS-19 → AS-24 → AS-13 → AS-09 → AS-07, AS-08; Fernwartung S-04 über AS-23
P7Daten sichern und wiederherstellenAS-16 → AS-05, AS-06 → AS-17

Befund B-01: Die Datensicherung AS-16 steht im selben Serverraum wie die gesicherten Systeme. Zusammen mit dem Kontextfaktor KX-01 (Untergeschoss am Fluss) betrifft ein Wassereinbruch Original und Sicherung zugleich.

Befund B-02: Über P5 verändern die externen Redaktionen das Verhalten des Bürgerportals, ohne dass der IT-Betrieb jede Änderung sieht. Das ist der Ausgangspunkt für den Abschnitt zu nicht hinreichend abgedeckten Assets.

Zehn Kategorien ohne Asset und ihre Begründung

Nach der Zuordnung waren zehn der 39 Zielobjektkategorien weder direkt noch über Vererbung belegt. Der IZM hat für jede eine Begründung festgehalten. Eine leere Kategorie ist erlaubt, wenn sie im Verbund für GP-A tatsächlich nicht vorkommt. Die Begründung muss dann einer Prüfung standhalten, denn an ihr hängen die Anforderungen, die nicht ins Paket kommen: im Build vom 29.10.2026 sind das 72.

Kategorie ohne AssetBegründung des IZM (fiktiv)nicht im Paket
Outsourcing, Cloud-DiensteGP-A nutzt keine vertraglich beschaffte ausgelagerte Leistung; der Zahlungsdienstleister gehört zu GP-B und kommt im zweiten Zyklus. Ob der genutzte Anmeldedienst S-03 als Cloud-Dienst zu modellieren ist, ist offen (OF-03); fällt die Entscheidung so, kommen die 38 Anforderungen ins Paket.38
Webbrowser, Office-AnwendungenDie Administration erfolgt nach Angabe des IT-Betriebs nur über Konsolen und Kommandozeile; auf den Admin-Notebooks sei keine Büro-Software für den Portalbetrieb im Einsatz (in Teil 4 überprüft)14
TK-Anwendungen, VK-Anwendungen, FaxanwendungenGP-A verarbeitet keine Anträge über Telefon, Video oder Fax11
WLANskein WLAN im Technikgebäude4
DateiserverNachweisdokumente liegen in der Portal-Datenbank, kein Dateiserver im Pfad3
Datenträgerarchiv (im Katalog „Archiv“)Anträge werden nach Übergabe 90 Tage vorgehalten und dann gelöscht; die Aufbewahrung liegt bei den Kommunen2

Die Zahlen der rechten Spalte addieren sich zu 72. Sie zeigen, was eine falsche Begründung kostet: Wäre die Aussage zu Webbrowser und Office-Anwendungen unzutreffend, fehlten 14 Anforderungen im Paket, ohne dass die Gesamtzahl auffiele.

Ein Asset, das die Kategorien nicht hinreichend abdecken, und eine Vertragspflicht

Der Formularbaukasten AS-02 erlaubt den Redaktionen, Prüf- und Berechnungslogik in einer Skriptsprache zu hinterlegen, die im Portal bei jedem Antrag ausgeführt wird. Der ISB fand in den Anforderungen der Kategorien Webanwendungen, Webserver und Anwendungen nichts, was die Freigabe solcher Logik vor ihrer Veröffentlichung regelt. Der IZM hat AS-02 deshalb als nicht hinreichend abgedeckt eingestuft. Daraus folgen zwei Pflichten: eine explizite Risikobetrachtung (300-1 Kap. 2.11; Anhang 3, Kriterium 33) und eine ergänzende eigene Anforderung (Kap. 3.4.3; im Katalog STM.2.1.6). Die Erläuterung zu STM.2.1.6 beschreibt die Schritte: Asset benennen, begründen, warum die Katalog-Anforderungen nicht ausreichen, eigene Anforderung formulieren, Paket erweitern.

Eine zweite eigene Anforderung kommt aus der Compliance-Liste. Die Leistungsvereinbarungen CP-01 verlangen, dass übergebene Anträge verschlüsselt und signiert ankommen. Vor einer eigenen Anforderung empfiehlt die Erläuterung zu STM.2.1.7 einen Blick in die Stand-der-Technik-Bibliothek. Der IZM fand für die Verschlüsselung KONF.14.1 („Konfiguration für Anwendungen SOLLTE Kommunikation beim Transport über Netze nach [einem anerkannten Standard] verschlüsseln“), die über die Kategorie Anwendungen schon im Paket ist. Eine Anforderung zur Signatur übergebener Daten fand er im Build nicht. Nur dafür entstand EIG-02.

Kennungeigene Anforderung im Format des Katalogs (nicht vom BSI)HerkunftAsset
EIG-01Änderungen und Tests für Webanwendungen SOLLTE Änderungen an Formularlogik vor der Veröffentlichung durch {{eine von der Erstellung unabhängige Rolle}} autorisieren.nicht hinreichend abgedecktes Asset (Kap. 3.4.3, STM.2.1.6)AS-02
EIG-02Konfiguration für Anwendungen SOLLTE an die Fachverfahren der Kommunen übergebene Antragsdaten nach {{einem anerkannten Standard}} signieren.Compliance-Vorgabe CP-01 (Kap. 2.2, 3.4.3, STM.2.1.7)AS-03

Offene Frage OF-04: Der Portalbetrieb hält AS-02 für hinreichend abgedeckt, weil der Formularbaukasten eine Webanwendung ist und die Anforderungen an Änderungen und Tests ohne Zielobjektkategorie ohnehin im Paket stehen. Der ISB sieht die Lücke darin, dass die Logik von Externen stammt und außerhalb des Änderungsverfahrens des IT-Betriebs entsteht. Die Geschäftsleitung ist der Einschätzung des ISB gefolgt. Die Frage kommt im internen Audit in Teil 4 in anderer Form zurück.

Blaupausen und Parameter

Blaupausen sind vorgefertigte Kataloge von Anforderungen für bestimmte Anwendungsszenarien, in denen auch die Parameter vorgegeben sind (Kap. 3.3). Der IZM hat für IV-PORTAL keine Blaupause verwendet und das mit Datum und Begründung festgehalten: Für den Zuschnitt des Portalbetriebs lag ihm keine passende vor. Weil Kapitel 3.3 verlangt, die Auswahl bei Änderungen des Verbunds oder der verfügbaren Blaupausen zu prüfen, steht die Frage auf der Liste für jede Validierung in Teil 4.

Ohne Blaupause legt der IZM die Parameter selbst fest, soweit der Katalog keine Werte vorgibt (Kap. 3.5; im Katalog STM.5.1, MUSS). Von den 928 Anforderungen im Paket enthalten 200 mindestens einen Parameter. Bei 199 legt der IZM mindestens einen Wert selbst fest; nur bei GC.1.1 gibt der Katalog den Wert vollständig vor, bei NOT.1.1.4 einen von zwei Parametern (eigene Zählung). Die Tabelle zeigt sechs Festlegungen, die in den folgenden Teilen eine Rolle spielen.

Anforderung (Modalverb)Parameter laut KatalogFestlegung des IZM (fiktiv)wirkt in Teil
UMS.1.1 Ermittlung des Umsetzungsstatus (MUSS)regelmäßigvierteljährlich, passend zum Ziel Z-013, 4
BER.4.4 Überprüfung von Berechtigungen (SOLLTE)regelmäßighalbjährlich für Administrierende, jährlich für Redaktionen; die Erläuterung nennt quartalsweise, halbjährlich oder jährlich als mögliche Werte4
NOT.4.16.1 Test der Wiederherstellung (SOLLTE)regelmäßighalbjährlich, je Test drei Stichproben3, 4
KONF.11.4 Erraten von Zugriffslinks (SOLLTE)einen automatisierten MechanismusBegrenzung der Anfragen am Reverse Proxy und nicht fortlaufende Vorgangsnummern; die Erläuterung nennt beides als mögliche Maßnahmen3
BER.4.1.2 JIT-/JEA-Berechtigungen (KANN)besonders kritische Ressourcen oder ZugängeAdministrationszugänge zum Virtualisierungscluster AS-07 und zum Verzeichnisdienst AS-133
GC.9.1.1.1 Informationssicherheitsbeauftragter (MUSS)einer unabhängigen PersonISB als Stabsstelle der Geschäftsleitung, vorbehaltlich EV-043, 5

Ergebnis von Teil 2: das Anforderungspaket für GP-A

Zu den 564 Anforderungen aus der Modellierung kommen die 364 Anforderungen ohne Zielobjektkategorie, die nach Kapitel 3.4.1 immer ins Paket gehören: 95 Methodik-Anforderungen, 265 technische und organisatorische Anforderungen und 4 Anforderungen der Praktik Risikomanagement. Das Paket umfasst 928 der 1.000 Anforderungen des Builds, dazu die beiden eigenen Anforderungen.

Teil des PaketsAnzahlFolge nach 300-1
normal-SdT, MUSS149verpflichtend, keine Risikoakzeptanz (Kap. 4.1.2); alle 149 MUSS-Anforderungen des Builds sind im Paket, 139 davon ohne Zielobjektkategorie
normal-SdT, SOLLTE574zu erfüllen; dauerhafte Nichterfüllung nur mit Risikobetrachtung (Kap. 4.1.2)
erhöht, SOLLTE2DET.4.12.1 und REA.2.5; im Build auf SOLLTE, obwohl Kap. 3.4.2 für „erhöht“ KANN vorsieht. Der IZM behandelt sie wie SOLLTE-Anforderungen
erhöht, KANN203optional; Fundus für die Risikobehandlung bei hohem Schutzbedarf (Kap. 3.4.2)
Summe aus dem Katalog928
eigene Anforderungen, SOLLTE2EIG-01, EIG-02
Einträge im Paket930

Status der Strukturmodellierung (Methodik-Anforderungen, Stand PM 5, fiktiv):

AnforderungStandBeleg in der Akte
STM.1.1, STM.1.2 Verbund abgrenzen, Schnittstellen festlegenerfüllt; OF-03 offenIV-PORTAL, S-01 bis S-06
STM.2.1, STM.2.1.1 Anforderungspaket, Methodik-Anforderungen modellierenerfülltPaketliste mit 930 Einträgen
STM.2.1.2, STM.2.1.3 Assets festlegen, Kategorien zuweisenerfüllt für GP-AAS-01 bis AS-24
STM.2.1.4, STM.2.1.4.1, STM.2.1.4.2 Modellierung, Vererbung, KonsolidierungerfülltRechenprotokoll 2.180 → 564
STM.2.1.5 Anforderungen ohne Zielobjektkategorieerfüllt364 Einträge
STM.2.1.6, STM.2.1.7 zusätzliche Anforderungen für Assets und Verpflichtungenerfüllt; OF-04 offenEIG-01, EIG-02
STM.5.1 Parameter setzenerfüllt; Werte für 199 Anforderungen festgelegt, GC.1.1 vom Katalog vorgegebenParameterliste
STM.4.1 Risikobetrachtung bei festgelegter Notwendigkeitnicht erfüllt, eingeplant für Teil 3Anlässe: hoher Schutzbedarf GP-A, AS-02

Die Anforderungen mit dem Niveau „erhöht“ stehen im Paket, weil GP-A hohen Schutzbedarf hat und 300-1 Kap. 3.4.2 das Sicherheitsniveau nach dem Schutzbedarf des Prozesses auswählen lässt. 160 davon kommen über die zugeordneten Kategorien, 45 haben keine Zielobjektkategorie und gehören nach Kap. 3.4.1 ohnehin ins Paket, darunter BER.4.1.2, DET.6.2.1, TEST.3.1.11, TEST.4.1.1 und NOT.4.12, auf die Teil 3 zurückgreift (eigene Zählung). Für die Statuserhebung in Teil 3 heißt das: Auch KANN-Anforderungen erhalten einen Status, ihre Nichterfüllung hat aber keine Folge, solange die Risikobehandlung sie nicht auswählt.

Wie es weitergeht

In Teil 3 erhebt der IZM für alle 930 Einträge den Umsetzungsstatus, ordnet nicht erfüllte Anforderungen nach Modalverb ein, führt die Risikobetrachtung für GP-A und AS-02 durch und stellt den Umsetzungsplan auf.

Blackfort Technology unterstützt bei der Modellierung und rechnet Anforderungspakete aus den Katalogdaten nach, siehe Beratung.

Rechtehinweis: Kurze Zitate und Fundstellen aus BSI-Standard 300-1 „Methodik Grundschutz++“, Version 1.0 vom 20.10.2026, © Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik 2026, Quelle: BSI-Seite zu Grundschutz++. Sie stehen nicht unter CC BY-SA 4.0; der Lizenzhinweis am Seitenende gilt nur für die Auszüge aus den Katalogdaten.

Häufige Fragen

Wie groß ist ein Anforderungspaket im Grundschutz++?
Das hängt von den zugeordneten Zielobjektkategorien ab. Im fiktiven Fall umfasst das Paket für einen Portalprozess mit 24 Assets 928 der 1.000 Anforderungen des Builds vom 29.10.2026: 364 ohne Zielobjektkategorie, die immer dazugehören, und 564 aus der Modellierung. 72 Anforderungen fehlen, weil zehn Kategorien im Verbund nicht vorkommen.
Müssen externe Personen als Assets erfasst werden?
Ja, wenn sie regelmäßig Assets des Informationsverbunds nutzen können. BSI-Standard 300-1 definiert Nutzende in Anhang 1 unabhängig davon, ob sie aus Sicht der Institution intern oder extern sind, und nennt externe Berater als Beispiel.
Was tun, wenn ein Asset durch die Zielobjektkategorien nicht hinreichend abgedeckt ist?
Dann ist eine explizite Risikobetrachtung erforderlich (300-1 Kap. 2.11, Mindestkriterium 33), und die Institution sollte eigene Anforderungen im Format des Katalogs ergänzen (Kap. 3.4.3). Im Katalog verlangt STM.2.1.6, solche Anforderungen dem Paket zuzuweisen.
Muss man eine Blaupause verwenden?
300-1 beschreibt Blaupausen in Kap. 3.3 als vorgefertigte Kataloge für bestimmte Anwendungsszenarien und nennt die Möglichkeit verpflichtender Blaupausen für bestimmte Institutionen. Ohne Blaupause legt die Institution die Parameter selbst fest. Auswahl und Verzicht sollten mit Begründung dokumentiert und bei Änderungen geprüft werden.

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Quellen

Zitate aus BSI-Standards und BSI-Webseiten sind © Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und wortgetreu, in Anführungszeichen und mit Quellennachweis wiedergegeben. Unabhängiges Angebot, kein Angebot des BSI.

Stand
01.11.2026
Fachlich geprüft am
01.11.2026
Katalogstand
Grundschutz++ Anwenderkatalog, Build 2026-10-29 (Commit c3f37859 vom 30.10.2026)

Lizenzhinweis

Diese Seite enthält Auszüge aus Katalogdaten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Die Auszüge stehen unter derselben Lizenz. Die Lizenz gilt nur für diese Katalogauszüge; Zitate aus BSI-Standards sind © BSI und als Zitat mit Quellennachweis wiedergegeben.

Diese Inhalte dienen der allgemeinen technischen und organisatorischen Information zu IT-Grundschutz und Grundschutz++ und stellen keine Rechtsberatung dar (keine Rechtsdienstleistung i. S. d. RDG). Sie ersetzen weder die Prüfung durch eine Auditorin oder einen Auditor noch eine Entscheidung der Zertifizierungsstelle.