Blackfort Technology

Grundschutz++ Kennzahlen und Managementbewertung: der Leitung den Stand vorlegen

Einheitliche Grundschutz++ Kennzahlen gibt es noch nicht: BSI-Standard 300-1 lässt die Leistungsbewertung offen, laut Meilensteinplan des BSI folgen das Konzept zur Leistungsmessung am 26. Februar 2027 und Leistungskennzahlen für die Methodik-Anforderungen am 31. März 2027. Wer nach BSI-Standard 300-1 arbeitet, muss schon heute die Managementbewertung nach Kapitel 5.3 durchführen und den Managementbericht erstellen, auf dem sie beruht. Diese Seite trennt, was 300-1 und der Anwenderkatalog vorgeben, was der Katalog nur als Beispiel nennt und was wir als eigene Beispielkennzahlen vorschlagen, und zeigt eine ausgefüllte Sitzungsunterlage, die Sie als Vorlage verwenden können.

Drei runde Messinginstrumente mit Skalen ohne Zahlen an einer dunkelblau getäfelten Wand unter einer Bilderleuchte, darunter ein Sideboard mit geschlossener Ledermappe und einer Messingschale

Was 300-1 und der Katalog für die Managementbewertung verlangen

In der Managementbewertung prüft die Institutionsleitung nach Kapitel 5.3, ob das ISMS geeignet, angemessen und wirksam ist; Grundlage ist der Managementbericht. Kapitel 5.3 nennt die Punkte, die dabei zu berücksichtigen sind. Der Methodik-Teil des Anwenderkatalogs fasst den Managementbericht in der Praktik PERF als Anforderungen. Nebeneinandergestellt; die Zuordnung der Zeilen ist unsere:

Punkt300-1Anforderung im Anwenderkatalog (Build 2026-10-29)
Managementbericht als GrundlageKapitel 5.3PERF.4.1 (MUSS): Ergebnisse der Überprüfungen der Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit des ISMS [regelmäßig] sowie anlassbezogen in einem Managementbericht dokumentieren
Bericht an die LeitungKapitel 5.3; Statusberichte an das Management auch nach Kapitel 4.5PERF.4.2 (MUSS): die Institutionsleitung über den Stand des Managementsystems [regelmäßig] anhand des Managementberichtes informieren
Status früherer ManagemententscheidungenKapitel 5.3PERF.4.1.1 (SOLLTE): Status von Folgemaßnahmen vorangegangener Managementbewertungen
Änderungen in der Institution oder der BedrohungslageKapitel 5.3PERF.4.1.2 (SOLLTE): veränderte Rahmenbedingungen mit Auswirkungen auf das Informationssicherheitsmanagement
SicherheitsvorfälleKapitel 5.3PERF.4.1.3 (SOLLTE): bisherige Erfolge und Probleme, zum Beispiel Sicherheitsvorfälle
Ergebnisse von AuditsKapitel 5.3PERF.4.1.4 (SOLLTE): Auditberichte
Ergebnisse der LeistungsbewertungKapitel 5.1 und 5.3PERF.1.1 (MUSS): Verfahren und Regelungen zur Messung und Bewertung der Leistung des ISMS verankern
Status der RisikobehandlungKapitel 5.3PERF.4.1.7 (SOLLTE): erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen und das damit verringerte Risiko (Status des Umsetzungsplans)
Eignung der Maßnahmen-PERF.4.1.5 (SOLLTE): Evaluation der Eignung umgesetzter Sicherheitsmaßnahmen zur Erreichung der Sicherheitsziele
Rückmeldungen-PERF.4.1.6 (SOLLTE): Bewertung von Rückmeldungen von Kunden, Geschäftspartnern, Mitarbeitern oder der Öffentlichkeit zu Sicherheitsaspekten
VerbesserungenKapitel 6.3PERF.4.1.8 (SOLLTE): aus der Überprüfung abgeleitete Verbesserungen des ISMS
Maßnahmenvorschläge-PERF.4.1.9 (MUSS): priorisierte Maßnahmenvorschläge mit realistischen Abschätzungen zum erwarteten Umsetzungsaufwand
RegelmäßigkeitKapitel 5.3Parameter „regelmäßig“ in PERF.4.1 und PERF.4.2; den Wert legt die Institution fest (Kapitel 3.5)

Drei der Anforderungen zum Managementbericht (Gruppe PERF.4) sind MUSS-Anforderungen und lassen nach Kapitel 4.1.2 weder Ausnahme noch Risikoakzeptanz zu: der dokumentierte Managementbericht (PERF.4.1), die Information der Leitung (PERF.4.2) und die priorisierten Maßnahmenvorschläge mit Aufwand (PERF.4.1.9). Dazu kommt PERF.1.1 zur Leistungsmessung, ebenfalls MUSS. Ein Managementbericht ohne Maßnahmenvorschläge und Aufwandsschätzung erfüllt PERF.4.1.9 nicht. Zum Zweck der Bewertung schreibt Kapitel 5.3, die Institutionsleitung übernehme damit „sichtbar Verantwortung für das ISMS und dessen regelmäßige Verbesserung“.

Was das BSI zu Kennzahlen angekündigt hat

Zur Leistungsbewertung schreibt 300-1 in Kapitel 5.1: „Da die Entwicklung einheitlicher Vorgaben zur Leistungsbewertung im GS++ noch aussteht, sind die Institutionen frei in der Ausgestaltung.“ Vorgelegt werden sollte die Leistungsbewertung der Institutionsleitung nachvollziehbar. Der Meilensteinplan des BSI (Stand Oktober 2026) nennt zwei Termine:

DatumMeilenstein laut BSIWas das für Ihre Kennzahlen heißt
26. Februar 2027„Das Konzept zur Leistungsmessung des ISMS auf Basis des GS++ ist in die Methodik integriert und kann angewendet werden.“Ab dann gibt es eine Methode des BSI. Wie sie aussieht, ist vor der Veröffentlichung nicht bekannt.
31. März 2027„Jede Anforderung aus den Methodik-Praktiken hat Leistungskennzahlen zur Leistungsmessung.“Kennzahlen kommen für die Methodik-Anforderungen. Zu Kennzahlen für die technischen und organisatorischen Anforderungen sagt der Meilenstein nichts.

Zum Umfang: Der Methodik-Katalog der Stand-der-Technik-Bibliothek (Stand 22. Oktober 2026) enthält die Praktiken GC, STM, UMS, VRB und PERF mit zusammen 95 Anforderungen; im Anwenderkatalog vom 29. Oktober 2026 sind es ebenfalls 95 (eigene Auszählung). Nach Kapitel 3.4 beziehen sich die Methodik-Anforderungen auf den gesamten Informationsverbund und bilden die Kapitel 4 bis 10 der DIN EN ISO/IEC 27001 ab. Inhaltlich sind das Anforderungen an Verfahren, Rollen, Audits und Berichte. Welche Kennzahlen das BSI ihnen zuordnet, ist vor der Veröffentlichung nicht bekannt.

Bis Ende März 2027 gilt damit: Sie wählen Ihre Kennzahlen selbst. Wählen Sie sie so, dass Sie sie später neben die Kennzahlen des BSI legen und gegebenenfalls ablösen können, und kennzeichnen Sie sie in jedem Bericht als eigene, vorläufige Festlegung.

Vorgabe, Katalogbeispiel und eigene Kennzahl auseinanderhalten

In einem Managementbericht nach Grundschutz++ stehen derzeit drei Arten von Angaben nebeneinander. Damit niemand eine eigene Festlegung für eine Vorgabe des BSI hält, sollte jede Kennzahl erkennbar einer dieser Ebenen zugeordnet sein:

EbeneBeispieleVerbindlichkeit
Vorgabe aus 300-1 und den Katalog-AnforderungenManagementbericht mit den Punkten aus Kapitel 5.3; MUSS-Anforderungen PERF.1.1, PERF.4.1, PERF.4.1.9, PERF.4.2. Kennzahlen gibt der Standard nicht vor.verbindlich nach Modalverb
Beispiel im Katalog (Hinweistexte zu Anforderungen)Zu PERF.4.2 nennt der Hinweistext als mögliche Kennzahlen „Anzahl relevanter Vorfälle, Zeit bis zur Entdeckung, Erfüllungsgrad definierter Sicherheitsmaßnahmen“. Zu DET.5.10.2 nennt er „durchschnittliche Zeit bis zum Patch (Mean Time To Patch), Prozentsatz aktuell gepatchter Assets, Anzahl offener/geschlossener Ausnahmen“.Anregung; die Anforderungen selbst schreiben diese Kennzahlen nicht vor
Eigene Kennzahl der InstitutionAlles, was Sie zusätzlich festlegen, etwa die Beispielkennzahlen im nächsten Abschnitt.eigene Festlegung, bis 2027 mit den BSI-Kennzahlen abzugleichen

Für die Auswahl hilft ein Satz aus dem klassischen BSI-Standard 200-2, Kapitel 10.1.1: „Kennzahlen haben eine begrenzte Aussagekraft, da damit einzelne, meist wenige Bereiche der Informationssicherheit punktuell beleuchtet werden, nämlich meist diejenigen, in denen sich leicht Messwerte erzielen lassen.“ Wer nur Werte aus Werkzeugen berichtet, zeigt der Leitung den technischen Ausschnitt und verfehlt Punkte wie Auditergebnisse oder offene Risikoentscheidungen. Für Anwender des klassischen IT-Grundschutzes gilt weiter BSI-Standard 200-1 mit dem Abschnitt „Managementbewertungen“ in Kapitel 8.3 und im Kompendium 2023 die Anforderung ISMS.1.A12 „Management-Berichte zur Informationssicherheit“.

Eigene Beispielkennzahlen (keine BSI-Vorgabe)

Kennzeichnung: Die folgenden Kennzahlen sind Vorschläge von Blackfort Technology. Sie stammen weder aus BSI-Standard 300-1 noch aus dem Anwenderkatalog. Sie knüpfen an Begriffe des Standards an, damit sie sich aus dem Umsetzungsplan zählen lassen und neben die angekündigten Kennzahlen des BSI gelegt werden können.

Eigene KennzahlBerechnungDatenquelleAnknüpfung in 300-1Grenze
K1 Nicht erfüllte MUSS-AnforderungenAnzahl am Stichtag, mit ListeUmsetzungsplanKapitel 4.1.2: keine Ausnahme, keine Risikoakzeptanzsagt nichts über die Schwere der einzelnen Lücke
K2 Nicht erfüllte SOLLTE-AnforderungenAnzahl, getrennt nach temporär und dauerhaftUmsetzungsplanKapitel 4.1.2eine Summe ohne Trennung verdeckt die dauerhaften Fälle
K3 Dauerhafte Nichterfüllungen ohne abgeschlossene RisikobetrachtungAnzahlUmsetzungsplan, RisikoregisterKapitel 2.11 und 4.1.2Soll ist null
K4 Restrisiken ohne Freigabe der LeitungAnzahl, mit AlterRisikoregisterKapitel 4.2.3Soll ist null nach jeder Sitzung
K5 Maßnahmen mit überschrittener FristAnzahl und Anteil an allen offenen MaßnahmenUmsetzungsplan, TicketsystemKapitel 4.4 und 4.5verschobene Fristen tauchen nicht auf; Historie mitführen
K6 Statusprüfung im festgelegten TurnusAnteil der Anforderungen, deren letzte Statusprüfung innerhalb des festgelegten Werts für „regelmäßig“ liegtNachweisplanKapitel 4.1.1; Anforderung UMS.1.1misst Aktualität, nicht Qualität der Prüfung
K7 Offene AuditfeststellungenAnzahl, davon älter als 90 TageAuditberichte, UmsetzungsplanKapitel 5.2.2die Schwelle von 90 Tagen ist frei gewählt
K8 SicherheitsvorfälleAnzahl nach eigener Schwerestufe, Median der Zeit bis zur ErkennungVorfallsbearbeitungKapitel 5.3 und 5.4wenige Fälle, daher als Zahl und mit Kurzbeschreibung berichten
K9 Sicherheitsupdates innerhalb der FristAnteil der IT-Systeme, auf denen kritische Updates innerhalb der festgelegten Frist installiert sindSoftwareverteilung, InventarKapitel 5.4; vgl. Hinweistext zu DET.5.10.2nur so gut wie die Abdeckung des Werkzeugs
K10 Umsetzung früherer LeitungsbeschlüsseAnzahl erledigt, offen, verschobenProtokolle der ManagementbewertungKapitel 5.3-

Wir haben bewusst keinen Gesamtwert in Prozent vorgesehen. 300-1 kennt je Anforderung nur „erfüllt“, „nicht erfüllt“ und „nicht anwendbar“, und eine nicht erfüllte MUSS-Anforderung lässt sich nicht mit vielen erfüllten SOLLTE-Anforderungen verrechnen. Wie technische Werte wie K9 belastbar entstehen, beschreibt die Seite Automatisierte Nachweise.

Sitzungsunterlage zur Managementbewertung

Fiktives Beispiel. Institution, Informationsverbund, Zahlen, Rollen und Termine sind erfunden. Die Gliederung folgt Kapitel 5.3 von 300-1 und den Anforderungen PERF.4.1 bis PERF.4.2; die Kennzahlen sind die eigenen Beispielkennzahlen aus dem vorigen Abschnitt.

Managementbewertung 1/2027, Informationsverbund „Fachverfahren und Online-Dienste“. Datenstand: 31.01.2027. Sitzung: 12.02.2027, 60 Minuten. Vorlage durch: ISB. Teilnehmende: Institutionsleitung, ISB, Leitung IT-Betrieb, Verantwortliche der zwei Geschäftsprozesse mit hohem Schutzbedarf.

Tagesordnung

TOPInhaltGrundlageZiel
1Stand der Beschlüsse aus der Bewertung 2/2026 vom 12.11.2026Kapitel 5.3; PERF.4.1.1Kenntnis
2Änderungen: neuer Cloud-Dienst für das Bürgerportal, geänderte Bedrohungslage für WebanwendungenKapitel 5.3; PERF.4.1.2Kenntnis
3Sicherheitsvorfälle, Erfolge und Probleme im BerichtszeitraumKapitel 5.3; PERF.4.1.3Kenntnis
4Ergebnis des internen Audits vom November 2026Kapitel 5.3; PERF.4.1.4Kenntnis
5Leistungsbewertung mit den eigenen Kennzahlen K1 bis K10Kapitel 5.1 und 5.3; PERF.1.1Kenntnis
6Status des Umsetzungsplans und der Risikobehandlung, Eignung der MaßnahmenKapitel 4.5 und 5.3; PERF.4.1.5, PERF.4.1.7Kenntnis
7Restrisiken zur FreigabeKapitel 2.11, 4.1.1, 4.1.2, 4.2.3Beschluss
8Priorisierte Maßnahmenvorschläge mit Aufwand, VerbesserungenPERF.4.1.8, PERF.4.1.9Beschluss
9Termin der nächsten BewertungKapitel 5.3; PERF.4.2Beschluss

Kennzahlen zu TOP 5 (eigene Beispielkennzahlen, keine Vorgabe des BSI; Anforderungspaket mit 640 Anforderungen)

Kennzahl31.01.202731.10.2026SollKommentar
K1 Nicht erfüllte MUSS-Anforderungen370Maßnahmen mit Frist bis 30.04.2027 geplant
K2 Nicht erfüllte SOLLTE, temporär / dauerhaft41 / 458 / 3-neue dauerhafte Nichterfüllung: BER.5.9 für zwei Notfallkonten
K3 Dauerhafte ohne abgeschlossene Risikobetrachtung010-
K4 Restrisiken ohne Freigabe200Freigabe unter TOP 7: BER.5.9 (neu) und KONF.8.1 (Freigabe war bis 15.01.2027 befristet und ist mit der verfehlten Frist ausgelaufen). KONF.3.2 und DET.5.3 wurden bis 15.12.2026 erfüllt, der Nachtest zu NOT.4.16.1 war am 28.01.2027 erfolgreich; ihre befristeten Freigaben sind damit erledigt.
K5 Maßnahmen mit überschrittener Frist6 von 529 von 610vier davon warten auf einen Dienstleister
K6 Statusprüfung im Turnus94 %81 %100 %Turnus festgelegt auf vierteljährlich
K7 Offene Auditfeststellungen, davon älter als 90 Tage5, davon 18, davon 30 älter als 90 Tage-
K8 Sicherheitsvorfälle hoch / mittel, Median bis Erkennung0 / 3, 6 Stunden1 / 2, 19 Stunden-Kurzbeschreibung in Anlage 2
K9 Kritische Updates innerhalb der Frist91 % von 430 Systemen86 % von 418100 %18 Server ohne Agent nicht erfasst, Anbindung bis 15.01.2027 nicht abgeschlossen
K10 Beschlüsse der Vorbewertung4 erledigt, 1 verschoben--verschoben: Notfallübung Rechenzentrum

Beschlussvorschläge

Nr.BeschlussGrundlageZuständigFrist
B1Das Restrisiko aus der dauerhaften Nichterfüllung von BER.5.9 für zwei Notfallkonten wird nach durchgeführter Risikobetrachtung freigegeben; Überprüfung spätestens in zwölf Monaten.Kapitel 4.1.2 und 4.2.3; Anhang 3, Kriterien 30, 34 und 35InstitutionsleitungSitzung
B2Das Restrisiko aus der temporär nicht erfüllten SOLLTE-Anforderung KONF.8.1, dessen bis 15.01.2027 befristete Freigabe ausgelaufen ist, wird erneut freigegeben, befristet bis zur neuen Frist 31.03.2027.Kapitel 2.11 und 4.1.1 (siehe Hinweis)InstitutionsleitungSitzung
B3Für die Anbindung der 18 Server werden zusätzliche Betriebsstunden bereitgestellt; neue Frist 31.03.2027.Kapitel 4.4 (Ressourcen); PERF.4.1.9Leitung IT-Betrieb31.03.2027
B4Die eigenen Kennzahlen K1 bis K10 bleiben vorläufig; nach Veröffentlichung der Leistungskennzahlen des BSI legt der ISB in der nächsten Bewertung einen Abgleich vor.Kapitel 5.1; MeilensteinplanISBnächste Bewertung
B5Der Parameter „regelmäßig“ in PERF.4.1 und PERF.4.2 bleibt halbjährlich; nächste Bewertung im August 2027, anlassbezogen früher.Kapitel 3.5 und 5.3InstitutionsleitungSitzung

Hinweis zu B2: Kapitel 4.1.2 sagt, eine temporäre Nichterfüllung löse keine Risikobetrachtung aus. Kapitel 2.11 verlangt für SOLLTE-Anforderungen, die in der Umsetzungsplanung enthalten, aber noch nicht erfüllt sind, eine Restrisikobetrachtung und die Freigabe durch die Institutionsleitung; Kapitel 4.1.1 verlangt, das Risiko zu identifizieren und der Leitung mitzuteilen. Wie diese Stellen zusammenpassen, ist eine offene Auslegungsfrage. Die Unterlage wählt den vorsichtigen Weg und legt das Restrisiko zur Freigabe vor.

Drei waagerechte Ebenen übereinander, farblich getrennt: oben die Vorgaben aus BSI-Standard 300-1 Kapitel 5.3 und den Anforderungen PERF.1.1, PERF.4.1, PERF.4.1.9 und PERF.4.2 (Managementbericht, Punkte der Bewertung, Maßnahmenvorschläge mit Aufwand), in der Mitte die Beispiele aus den Hinweistexten des Katalogs, unten die eigenen Beispielkennzahlen K1 bis K10 mit dem Vermerk „eigene Festlegung, keine BSI-Vorgabe“. Rechts eine Zeitleiste mit den Meilensteinen 26. Februar 2027 (Konzept zur Leistungsmessung) und 31. März 2027 (Leistungskennzahlen für die Methodik-Anforderungen), von denen ein Pfeil zur unteren Ebene zeigt: Abgleich der eigenen Kennzahlen.
Vorgabe, Katalogbeispiel und eigene Kennzahl im Managementbericht. Grundlage: BSI-Standard 300-1 (Version 1.0 vom 20.10.2026), Anwenderkatalog Grundschutz++ (Build 2026-10-29), Meilensteinplan des BSI (Stand Oktober 2026). Eigene Darstellung.

Vorbereitung und Nachbereitung der Sitzung

  1. Stichtag festlegen. Alle Zahlen beziehen sich auf denselben Datenstand; im Bericht steht er oben.
  2. Zahlen aus den Arbeitsunterlagen ziehen. Kennzahlen entstehen aus Umsetzungsplan, Risikoregister, Nachweisplan und Auditberichten. Wer sie eigens für die Sitzung erhebt, berichtet einen Stand, den niemand fortschreibt.
  3. Entscheidungen vorbereiten. Jeder Punkt, der einen Beschluss braucht, bekommt eine Vorlage mit Grundlage, Optionen und Folgen. Restrisiken legen Sie mit der durchgeführten Risikobetrachtung vor.
  4. Maßnahmenvorschläge mit Aufwand. PERF.4.1.9 verlangt sie als MUSS-Anforderung; ohne Aufwandsschätzung kann die Leitung keine Ressourcen freigeben.
  5. Unterlage vorab versenden. Ein fester Vorlauf von einigen Arbeitstagen gibt der Leitung Zeit für Rückfragen; die Sitzung selbst dient den Entscheidungen.
  6. Protokoll und Übertrag. Beschlüsse mit Zuständigkeit und Frist in den Umsetzungsplan übernehmen; der Korrektur- und Verbesserungsplan wird nach Kapitel 6.3 in den Umsetzungsplan aufgenommen. In der nächsten Bewertung berichtet TOP 1 über ihren Stand.

Wenn die Kennzahlen des BSI veröffentlicht sind

Mit dem Konzept zur Leistungsmessung und den Leistungskennzahlen für die Methodik-Anforderungen kann sich ändern, was Sie unter TOP 5 berichten. Was genau das BSI vorgibt, lässt sich vor der Veröffentlichung nicht sagen. Planen Sie deshalb einen Abgleich: Welche eigenen Kennzahlen decken sich mit den neuen, welche fallen weg, welche bleiben als Ergänzung. Eigene Kennzahlen, die Sie weiterführen, kennzeichnen Sie weiterhin als eigene.

Zeitreihen sind dabei wertvoll. Wenn Sie seit 2026 dieselben eigenen Kennzahlen mit denselben Definitionen erheben, können Sie der Leitung auch nach der Umstellung zeigen, wie sich der Stand entwickelt hat. Ändern Sie eine Definition, vermerken Sie das im Bericht und brechen Sie die Zeitreihe sichtbar.

Für Zertifizierungsvorhaben nach ISO 27001 auf Basis von Grundschutz++, die laut Meilensteinplan ab dem 1. Januar 2027 beantragt werden können, liegt die erste Managementbewertung womöglich vor der Veröffentlichung der Kennzahlen. Das ist durch Kapitel 5.1 gedeckt, das die Ausgestaltung bis dahin freistellt. Dokumentieren Sie, welche Kennzahlen Sie gewählt haben und warum.

Wo die Managementbewertung im ISMS steht

Die Managementbewertung greift auf die Ergebnisse anderer Prozessschritte zurück. Diese Seiten behandeln sie:

Den Managementbericht laufend zu erstellen und die Bewertung vorzubereiten, gehört zum Betrieb des ISMS. Blackfort Technology unterstützt dabei als externer Informationssicherheitsbeauftragter; die Leistung ist auf der Firmenseite beschrieben: Externer Informationssicherheitsbeauftragter.

Häufige Fragen

Gibt es für Grundschutz++ verbindliche Kennzahlen?
Noch nicht. BSI-Standard 300-1 stellt die Leistungsbewertung frei, weil einheitliche Vorgaben noch ausstehen (Kapitel 5.1). Laut Meilensteinplan des BSI folgen das Konzept zur Leistungsmessung am 26. Februar 2027 und Leistungskennzahlen für jede Anforderung aus den Methodik-Praktiken am 31. März 2027.
Was muss in einen Managementbericht nach Grundschutz++?
Kapitel 5.3 von 300-1 nennt die Punkte, die in der Managementbewertung zu berücksichtigen sind und die der Managementbericht als ihre Grundlage deshalb abdecken sollte: Ergebnisse von Audits und der Leistungsbewertung, Sicherheitsvorfälle, Status der Risikobehandlung, Änderungen in der Institution oder Bedrohungslage, Status früherer Managemententscheidungen und die Regelmäßigkeit der Bewertung. Der Anwenderkatalog verlangt mit PERF.4.1.9 als MUSS-Anforderung zusätzlich priorisierte Maßnahmenvorschläge mit Abschätzung des Umsetzungsaufwands.
Wie oft muss die Managementbewertung stattfinden?
Der Standard legt keinen festen Turnus fest. PERF.4.1 und PERF.4.2 enthalten den Parameter „regelmäßig“, dessen Wert die Institution festlegt (Kapitel 3.5); PERF.4.1 verlangt den Managementbericht zusätzlich anlassbezogen. Die Risikobetrachtung ist nach Anhang 3, Kriterium 35, mindestens jährlich zu überprüfen.
Dürfen wir eigene Kennzahlen verwenden?
Ja. Bis zur Veröffentlichung der BSI-Vorgaben sind Institutionen nach Kapitel 5.1 frei in der Ausgestaltung. Kennzeichnen Sie eigene Kennzahlen im Bericht als eigene Festlegung und planen Sie einen Abgleich, sobald die Leistungskennzahlen des BSI vorliegen.
Welche Kennzahlen nennt der Anwenderkatalog als Beispiel?
Der Hinweistext zu PERF.4.2 nennt die Anzahl relevanter Vorfälle, die Zeit bis zur Entdeckung und den Erfüllungsgrad definierter Sicherheitsmaßnahmen; der zu DET.5.10.2 Kennzahlen zum Patchstand. Das sind Beispiele in Umsetzungshinweisen, keine vorgeschriebenen Kennzahlen.

Kontakt aufnehmen

Ihr Vorhaben besprechen

Schildern Sie kurz Ihre Ausgangslage. Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, was Sie brauchen.

Erstgespräch anfragen

Quellen

Zitate aus BSI-Standards und BSI-Webseiten sind © Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und wortgetreu, in Anführungszeichen und mit Quellennachweis wiedergegeben. Unabhängiges Angebot, kein Angebot des BSI.

Stand
01.11.2026
Fachlich geprüft am
01.11.2026
Katalogstand
Grundschutz++ Anwenderkatalog, Build 2026-10-29 (Commit c3f37859); Methodik-Katalog Stand 2026-10-22

Lizenzhinweis

Diese Seite enthält Auszüge aus Katalogdaten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Die Auszüge stehen unter derselben Lizenz. Die Lizenz gilt nur für diese Katalogauszüge; Zitate aus BSI-Standards sind © BSI und als Zitat mit Quellennachweis wiedergegeben.

Diese Inhalte dienen der allgemeinen technischen und organisatorischen Information zu IT-Grundschutz und Grundschutz++ und stellen keine Rechtsberatung dar (keine Rechtsdienstleistung i. S. d. RDG). Sie ersetzen weder die Prüfung durch eine Auditorin oder einen Auditor noch eine Entscheidung der Zertifizierungsstelle.